The Passage

Support Structures der südafrikanischen Künstlerin Sunette Viljoen untersucht die komplizierte Geste des Displays und der museologischen Sprache, in der diese Objekte sichtbar werden. In Museen in denen, wenn ausgestellt, Objekte ein gewisses Gewicht haben, wird Wert und Sorgfalt angenommen. Objekte bedürfen der Betrachtung, Ideologien werden mitgeliefert. Aber mit einem Archiv, das bewusst problematische Objekte beherbergt, einschließlich alltäglicher kolonialer Artefakte und historischer Manifestationen, die rassistische Ideologien fördern, was bedeutet es dann, diese Objekte sichtbar zu machen? Man kann sich vorstellen, das Display von Objekten, die aus dem Spiel genommen wurden, als „dis-play" zu verstehen. Denn in der Tat sollten diese Objekte aus dem Spiel – „play“ – genommen werden.

Wie der Titel vermuten lässt, besteht die Intervention aus einer Reihe von Stützstrukturen, die für jedes Objekt maßgeschneidert sind, um sie zu verankern, aber auch um den Kontrast zwischen den sichtbaren und den verborgenen Teilen hervorzuheben. Diese Strukturen unterstützen die Objekte ebenso, wie sie Verzerrungen erzeugen, sie betonen die Geste des Displays, des Sichtbarmachens. Das Material der Strukturen erinnert an die archivarischen Lagerungsunterlagen und deutet die Idee einer temporären Struktur an, die auf den Versuch der Künstlerin hindeutet, mit möglichen Darstellungsarten zu experimentieren, um das Archiv von  Colonial Neighours zu bearbeiten.

Die Bodeninstallation weist auf einen anderen Aspekt des Ausstellungsdesigns hin - auf die Bewegung des Betrachters im Raum. Der Korridor deutet auf eine lineare Bewegung hin, aber das Bodenmuster impliziert eine sich windende Linie, die sich durch den Raum schlängelt und die Betrachterin zu den Objekten an den Wänden führt. Es schafft eine klare Trennung zwischen dem Korridor und dem Rest der Hauptausstellungshalle und gleichzeitig eine spezifische Szenografie, in der Teile des Archivs zu sehen sind. Das Muster selbst verweist auf den Boden in der angrenzenden Kuppelhalle, aber auch auf klischeehafte Vorstellungen von einer exotischen, zähmbaren Wildnis von gesättigten Symbolen, die zu Ornamenten wurden.

Die von der Künstlerin ausgewählten Archivobjekte zeigen ein augenscheinlich unschuldiges Interesse und Staunen über Afrika und insbesondere eine Sorge um das Land. Der Fokus liegt auf der Natur, die in eine andere Art von Interesse im Land gerät, nämlich die Nutzung, den Abbau und die Ausbeutung. Dies gipfelt in der Erzählung von Wissenschaft und Entwicklung - dieser anhaltenden Fiktion von Investitionen und der Rhetorik von "Verbesserung" und Fortschritt, die ein Eckpfeiler der Kolonialgeschichte sind.

Support Structures ist die neueste Installation der FRAGMENTS–Reihe von COLONIAL NEIGHBOURS- eine Serie von Interventionen in und aus dem langjährigen kollektiven Archivprojekt von  SAVVY Contemporary zur deutschen Kolonialgeschichte. Künstler*innen, Forscher*innen, Aktivist*innen und Kulturschaffende sind eingeladen, sich mit dem Archiv zu beschäftigen, indem sie das Projekt aktivieren und kritisch dazu beitragen.

Colonial Neighbours ist ein partizipatorisches Archiv, welches offen für Alle ist, die Objekte, Texte und Erinnerungen zur deutschen Kolonialgeschichte spenden möchten. Sobald ein schärferes Bewusstsein für diese oft alltäglichen Gegenstände entsteht, kommen häufig weitere Fragen auf: Wie verhandeln wir eine solche Sammlung von Objekten, insbesondere, wenn sie im Ausstellungskontext gezeigt werden, um über eine bestimmte Geschichte zu informieren und zu reflektieren?

S U N E T T E   V I L J O E N’ S präziser skulpturaler Ansatz umfasst die Spezifität der Materialität, die unberücksichtigt gebliebenen Bereiche der verschmelzenden Geschichte und die pädagogischen Systeme kolonial-begründeter Institutionen. Damit verhandelt sie Möglichkeiten Objekten zu dekonstruieren und neu zu konzipieren, ohne ihre Geschichte vollständig zu löschen. Sie arbeitet mit Rahmungen, Stützen und Umformungen und bietet den Betrachtenden einen begrenzten Raum, in dem die Besucher*in die Positionalität des Objekts anders erleben kann. Viljoen spielt mit dem Wissen, dass die Bedingungen, die Objekte umgeben, eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie diese Objekte im Laufe der Geschichte aufrechterhalten, gelobt, zerstört und verdrängt werden. Ihr Prozess ist von dieser Beziehung und einem generellen Bewusstsein der postkolonialen Theorie, der Museumsarchive, der Bewegung im Raum und der Fragilität der Sprache geprägt.