WHOSE LAND HAVE I LIT ON NOW?

ÜBERLEGUNGEN ZUM BEGRIFF VON HOSTIPITALITY

Wir laden Dich herzlich zum Invocations-Wochenende im Rahmen des Projektes WHOSE LAND HAVE I LIT ON NOW?Contemplations on the Notions of Hostipitality ein, das sich über eine Ausstellung, Performances, Vorträge, Filmvorführungen und andere zeitbasierte Erfahrungen erstreckt, um über Konzepte der Gastfreundschaft und die Auslöser von aller Gastfreundschaft innewohnender Feindseligkeit nachzudenken.

Heute geschieht vieles, das eine Reflexion über Gastfreundschaft in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt erfordert. Ausgehend vom nationalen Kontext Deutschlands und Derridas Begriff der “Hostipitality” (~ feindselige Gastfreundschaft) - also der Präsenz von Feindseligkeit in aller Gastfreundschaft - ist das Projekt nicht auf diese geographischen, geschichtlichen, philosophischen und kulturellen Ausgangspunkte beschränkt, sondern thematisiert Konzepte der Gastfreundschaft im globalen Kontext. Indem es Künstler*innen, Kurator*innen, Musiker*innen und andere Denker*innen einlädt, über die verschiedenen gedachte und gelebten Konzepte der Gastfreundschaft nachzudenken, schafft das Projekt einen Raum für Austausch, gegenseitigen Respekt und um zu lernen, Fragen zu stellen, die weitere Gedanken anregen könnten. In einer Zeit blühender Ressentiments und Antipathie gegenüber allem, was konzeptionell oder physisch "fremd" / als “Fremde/r” erscheint, in einer Zeit, in der die historische Gewalt des Gastes (als Kolonisator) über den Gastgeber sich wiederholt und verstärkt, und in einer Zeit, in der Gastfreundschaft zunehmend zu einem neoliberalen Gut wird, ist es dringend notwendig, die Machtabstufungen der Gastfreundschaft zu überdenken.

WHOSE LAND HAVE I LIT ON NOW? ist über zusammenhängende 'Räume der Kontemplation' hinweg konzipiert, die durch eine Ausstellung und ein Wochenende der Anrufungen mit Performances, Konzerten, Vorträgen und Gesprächen aktiviert und animiert werden:

I Guest, I Host. Who is the Ghost? erforscht die Machtabstufungen zwischen Gastgeber*in, Gast und ‘Geist-Werden’ - der zombifizierende Transformationsprozess zwischen Gast und Gastgeber*in - sowie die Gewaltformen, die in diese Übergänge verwickelt sind, indem wir uns mit kolonialen Siedlungsprojekten und deren Verdrehung von "Gast-" und "Wirt-Sein" beschäftigen.

Forging a Bridge: From ‘Wir schaffen das’ zu ‘Das Boot ist voll’untersucht die allmähliche Verschiebung der Gastfreundschaft in Richtung Feindseligkeit. Beim Untersuchen des Zusammenbruchs der deutschen Willkommenskultur nach der Ankunft der größtenteils syrischen Migrant*innen im Sommer 2015, beobachten wir, wie der Sommer der Anmut zum Herbst der Wut und dem Winter der Alpträume wurde, als aus dem anfänglich guten Willen das Wiederaufleben der extremen Rechten in Deutschland hervortrat.

Caressing the Phantom Limb: 'Heimat' - Progression, Regression, Stagnation?untersucht die Macht des Heimatbegriffs, der die Privilegien und den gemeinsamen Nenner derjenigen charakterisiert, die von der Mehrheit als berechtigt angesehen werden, an Privilegien teilzunehmen. 'Heimat' könnte aber die Summe unserer individuellen Wesen, Kulturen, Religionen und Philosophien sein. 'Heimat' könnte auch integrativ und vereinigend sein - sensibel gegenüber der historischen, politischen und wirtschaftlichen Realitäten, die die Menschen dazu gebracht haben, sich kraftvoll oder freiwillig zu bewegen. Ist der gegenwärtige Zustand von Heimat nicht eher regressiv und eine bloße Liebkosung eines Phantomkörperteils?

Riding the Tide: On Hostipicapitalism greift den Begriff der Gastfreundschaft im neoliberalen Kapitalismus wieder auf, der jene Gastfreundschaft von einer Tugend zur allgegenwärtigen Ware gemacht hat.

Während des gesamten Projekts schauen wir von der Mikroebene zu breiteren Verstrickungen - von SAVVY Contemporary's Zuhause, Rolle und Präsenz in unserem Projektraum im Wedding als Gastgeber*in für Künstler*innen und andere Kollaborateur*innen, sowie als Gast in unserer Nachbarschaft, zu den Möglichkeiten von Momenten bedingungsloser Gastfreundschaft und den feindseligen Strategien des Nationalstaats gegenüber seinen schwächsten Bürger*innen und Neuankömmling*innen.

WHOSE LAND HAVE I LIT ON NOW? ist ein Projekt im Rahmen von 4Cs: From Conflict to Conviviality through Creativity and Culture, einem Kooperationsprojekt, das Konflikte und Modelle für interkulturellen Dialog untersucht, das von der Europäischen Kommission durch Creative Europe - Culture unterstützt wird. 4Cs wurde von den folgenden Partnern entwickelt: Fassade de Ciências Humanas Universidade Católica Portuguesa FCH|UCP (PT), Tensta Konsthall (SE), SAVVY Contemporary (DE), Royal College of Art (UK), Fundació Antoni Tàpies (ES), Vilnius Academy of Arts (LT), Museet for Samtidskunst (DK) und ENSAD (FR).

  

  

WHOSE LAND HAVE I LIT ON NOW? is conceived across interrelated ‘spaces of contemplation’ which will be activated and animated through an exhibition and a weekend of invocations including performances, concerts, lectures and talks:

I Guest, I Host. Who is the Ghost? explores power gradients between host, guest and becoming ghost - the zombifying transformation process between guest and host, as well as the violences implicated in these transitions through looking at settler colonialist projects and their perverting of who is ‘guest’ and who is ‘host’.

Forging a Bridge: From ‘Wir schaffen das’ to ‘Das Boot ist voll’ probes the gradual shift of hospitality towards hostility. Unpacking the breakdown of the German ‘Willkommenskultur’ after the arrival of mostly Syrian migrants in Germany in the summer of 2015, we observe how the summer of grace became the autumn of rage and the winter of nightmares, as the initial goodwill turned into the resurgence of the extreme right in Germany.

Caressing the Phantom Limb: 'Heimat' - Progression, Regression, Stagnation?  looks at the power of the notion of Heimat that has come to characterize privileges and the common denominators of those who are viewed by the majority as eligible to partake in the privileges. 'Heimat' could be the sum of our singular beings, cultures, religions and philosophies. 'Heimat' could be inclusive and unifying – sensitive to the historical, political and economical realities that have made people move forcefully or willingly. Isn’t the current state of Heimat rather regressive and a mere caressing of a phantom limb?

Riding the Tide: On Hostipicapitalism revisits the notion of hospitality in neoliberal capitalism, which has successfully transformed hospitality from virtue into ubiquitous commodity.

Throughout this project we look from the micro-level to broader entanglements - from  SAVVY Contemporary’s home, role and presence in its space in Wedding as host to artists and other collaborators, as well as guest within the context of our neighborhood, to the possibilities of moments of unconditional hospitality and the nation state’s strategies of hostility towards its weakest citizens and the newly arrived.

WHOSE LAND HAVE I LIT ON NOW? is a project within the framework of 4Cs: From Conflict to Conviviality through Creativity and Culture, a collaborative project that investigates conflict and models for intercultural dialogue supported by the European Commission through Creative Europe – Culture. 4Cs was developed amongst the following partners: Faculdade de Ciências Humanas Universidade Católica Portuguesa FCH|UCP (PT), Tensta Konsthall (SE), SAVVY Contemporary (DE), Royal College of Art (UK), Fundació Antoni Tàpies (ES), Vilnius Academy of Arts (LT), Museet for Samtidskunst (DK) and ENSAD (FR).