Soil is an inscribed body.
Über Souveränität, Agrarpoesien und Befreiungskämpfe

Am Leben zu bleiben, erfordert – für jede Spezies – eine lebensfähige Kollaboration. Kollaboration bedeutet, über Unterschiede hinweg zu arbeiten, was zu Kontaminationen führt. Ohne Kooperationen sterben wir alle. 

Anna Tsing, The Mushroom at the end of the world. On the possibility of life in Capitalist Ruins (eigene Übersetzung)

Ein Projekt zur Untersuchung von antikolonialen Kämpfen von vergangenen und gegenwärtigen Auseinandersetzungen um Land, die sich weltweit dem Eindringen des Neo–Agrokolonialismus widersetzen ebenso wie den extrahierenden Logiken, die hinter dem Antrieb stecken, die „Natur“ in eine Ressource zu verwandeln. Wir werden über Formen der Selbstbestimmung und Autonomie nachdenken, wie sie von lokalen Gemeinschaften in Ablehnung des kapitalistischen und kolonialen Models ausgeübt werden. Dem folgt eine kritische Analyse bestimmter technologisch–wissenschaftlicher Epistemologien und biopolitischer Praktiken.

Wie können verwobene antikoloniale und ökologische Allianzen einander fördern und unterstützen? Wie können wir die Verflechtungen zwischen den verschiedenen Arten und polyphone multidirektionale Zukünfte aufrechterhalten? Wie können wir Ruinen, Erosion und zerstörte Landschaften verwandeln und Taktiken der Prekarität anwenden, um trotz wirtschaftlicher und ökologischer Zerstörung Leben zu ermöglichen?

The Soil is an Inscribed Body konzentriert sich auf die komplizierten Verflechtungen aller Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen, ihre Wachstumsversprechen und die Einschreibung in unseren Körper auf molekularer und geopolitischer Ebene, sei es durch Gentechnik oder Ernährungssicherheit. Bei der Sorge um das Mehr-als-Menschliche geht es immer auch um Macht. Das Projekt ist ein vorsichtiger Testraum für künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Boden als Behältnis, Körper und Träger für spekulative, kollaborative Zukunftsszenarien. Während sich das Anthropozän um uns herum und durch uns selbst entfaltet, nutzt dieses Projekt die Phasen der Keimruhe und des Aufkeimens, um mit vegetativer Wirkungskraft darüber nachzudenken, was es bedeutet, im wartend zu ruhen, und die umgebende Materie zu berühren und spüren.

Dabei reflektieren wir über (reproduktive) Arbeit, Patriarchat und Rassismus und die Spuren, die sie im Erdboden hinterlassen, über queere Ökologien und über divergierende Erfahrungen mit traditionellem Wissen und Wissenschaft im Rahmen empirischer Untersuchungen bis hin zu künstlerischen Praktiken. Das Projekt beherbergt aktuelle lokale experimentelle Mikroökonomien der gemeinschaftlichen Subsistenzwirtschaft, die sich auf die Macht der Souveränität und eine Umwelt-Allmende konzentrieren. Zerstreut und doch vernetzt, wird es im Laufe des Jahres 2019 eine Reihe von Workshops über die Grenzen verschiedener Staaten und über den Ausstellungsraum hinaus geben.