Sunborn Lullabies and Battle Cries

Radio 01.03.2026 16:00
Mit Memory Biwa und Pungwe Listening (Memory Biwa und Robert Machiri)
VIA SAVVYZΛΛR
Im Rahmen des Projekts DESACTA. COUNTER-SPELLS TO UNRAVEL 140 YEARS OF THE BERLIN CONFERENCE beschwören Memory Biwa und Robert Machiri auf unseren SAVVYZΛΛR-Radiowellen akustische Gegenformeln herauf:
SUNBORN LULLABIES AND BATTLE CRIES, 2020 (20:16 MIN)
Das Hörstück ist eine kakophone Abfolge von Gesängen: Lobgesänge, Kampflieder, Wiegenlieder und Bogenspiel von Zeremonienmeister:innen und Delegierten in Berlin im September 2011 sowie Archivaufnahmen eines Geschichtenerzählers und Bogenspielers aus Okahandja in Zentralnamibia. In den bis heute anhaltenden Nachwirkungen der Berliner Kongo-Konferenz stellen die Gesänge einen historischen Wendepunkt nach – die Rückführung der Überreste von Vorfahren weg von dem Ort, an dem sie nach ihrer Plünderung über ein Jahrhundert lang aufbewahrt worden waren. Die in Berlin (und Okahandja) entstandenen akustischen poetischen Kompositionen beschwören eine körperliche und spirituelle Reise durch Zeit und Raum, überlappende Genealogien und Geografien der Erinnerung, um einen Bruch in der Gegenwart zu schaffen. Ein Ort, von dem aus wir eine verkörperte Umkehrung der Todeswelten vollziehen können, die in den Worten von Joan Dayan widerhallt: „Die Lebenden werden von den Ahnen, die nicht sterben, eingenommen.“
SunBorn Lullabies and Battle Cries wurde ursprünglich für die Manifesta 13, Recontres: Tracing Fractures – Across Listening, Movement, Restitution and Repair, Centre de la Vieille Charité, Marseille, Frankreich, 2020, in Auftrag gegeben.
Dreamwav (Nyaminyami Tidalectics), 2024 (7:40 min)
Im Traum tauchen zwei Flüsse auf. Der eine ist sichtbar, der andere nur als ein Echo von fließendem Wasser zu hören. Der unterirdische Fluss verkörpert einen Wasserlauf, der entlang der Meridiane fließt. Er ist ein Übergang, der mit mehreren Orten verbunden ist und diese beeinflusst. Die Meridiane haben eine kontrapunktische Kraft, die zu einem Zentrum hin und von diesem weg pulsiert. Die Geografie des Sambesi-Flusses, die sich über mehrere Länder im südlichen Afrika erstreckt, ist ein solcher überlappender Ort mit Epizentrum in Kariba. Dies sind Orte, von denen die Weisen, die in der Nähe der Kariba-Schlucht lebten, verschwanden und damit nach dem Bau des Kariba-Staudamms eine Reihe katastrophaler Ereignisse und fragmentierter Kosmologien in Gang setzten (Credo Mutwa).
Dies Tonstück greift Kamau Brathwaites Gezeitenkosmologien oder „tidalectics“ auf, die die Dialektik nachzeichnet zwischen Naturkatastrophen und menschlichen Katastrophen sowie die Entwurzelung der Lebensweisen auf Inseln, diese miteinander verbundenen Berggipfel, die von Ozeanen und Flüssen überflutet wurden. Zusammen mit Credo Mutwa lauschen wir den verschwundenen Präsenzen, die in die Meridiane des unterirdischen Sambesi eingraviert sind. In dieser Interpretation ist die dystopische Zukunft bereits eingetreten, und wir erwachen zu ihrer jüngsten Probe im Juli 2024, dem ersten Kapitel von Octavia Butlers Parable of the Sower. Der Track lässt sich als multidimensionaler Raum der Vorfahren erleben, in dem das Imaginierte in Echtzeit stattfindet. Es ist ein Nachdenken über Gewässer als erste Technologie, als Träger von Erinnerung, Totems, Ritualen und Lebenswelten. Er beschwört die Vielzahl von Stimmen, Gewässern, unterirdischen Orten, die Überreste der Hydropolitik und ökologische Dissonanzen herauf und drängt uns, mit einer neuen Welle in Beziehung zu treten.
Dreamwav (Nyaminyami Tidalectics) wurde für Memories of the Unbridled River, LOCA/LIAF, Lofoten International Art Festival, Lofoten, Norwegen, 20. September – 20. Oktober 2024, in Auftrag gegeben. Mit einer Erstausstrahlung im Radio bei „Water No Get Enemy – einer ganztägigen Sendung auf Pan African Space Station”, Chimurenga, 15. Oktober 2024, als Teil des Symposiums in der Tate Modern, Waterways: Arteries, Rhythm and Kinship.
Dzimu/dzangara/dzimu, 2021 (30:26 min)
Diesr Beitrag ist ein Mashup aus Radiosendungen, Lesungen und Aufnahmen, die zwischen Dakar, Durban und Berlin entstanden sind und vom 6. bis 18. April 2021 beim Audible Edge Festival of Sound in Perth, Australien, über eine Mehrkanal-Acousmonium-Installation abgespielt wurden. Dzimu/dzangara/dzimu wurde für das Audible Edge Festival 2021 in Auftrag gegeben.
Klangstück von Pungwe Listening (Memory Biwa und Robert Machiri)
BILD Memory Biwa aus Ozerandu, UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte, November 2024
FÖRDERUNG Dieses Projekt wird gefördert im Hauptstadtkulturfonds.


