Anti-Groove

Laura Robles (c) Lorenzo Yori
Laura Robles (c) Lorenzo Yori

„Wer bestimmt unser Verständnis von Groove?“

Gemeinsam mit MaerzMusik laden wir Euch herzlich zu einem Konzert von Laura Robles mit den Teilnehmenden der Lab-Sessions ein: Zwei Tage lang arbeitete die Klangkünstlerin und Komponistin Laura Robles mit fünf Musiker:innen – basierend auf ihrer Forschung zu Groove, Rhythmen, Notationssystemen und experimenteller Instrumentierung.

Die Gruppe beschäftigte sich mit dem Phänomen der Wiederholung und nahm sich Zeit, in einem musikalischen Muster zu verweilen und sich wirklich einzufühlen. Durch Wiederholung versuchten sie, herauszufinden, welchen Groove sie als Gruppe erzeugen. Nicht als etwas Festes, sondern etwas, das zwischen ihnen wächst.

In ihrer oft kollaborativen Praxis reflektiert Laura Robles über die Politik der Musiknotation, die Dekonstruktion westlicher klassischer Musikhierarchien und die symbiotische und synergetische Beziehung zwischen Menschen und Instrumenten.

Blasinstrumente werden oftmals als eine Verlängerung des Atems ihrer Spieler:innen bezeichnet. Wenn dies zutrifft, dann könnten perkussive Instrumente wie die Trommel als Verlängerung der Gliedmaßen von Musiker:innen verstanden werden – und jeder Schlag, sei es mit der Handfläche oder der Fußsohle, schreibt sich in eine Praxis und Politik des perkussiven Sprechens ein. So betrachtet wird der Körper zu einer Partitur und die Wiederholung zu einer Form der Notation, die in ihn eingebettet ist und durch Übung, Zuhören und kollektives Ruf- und Antwortspiel kontinuierlich gestaltet wird. Der Akt der Notation entfaltet sich als organische und lebendige, nicht aber als fixe, lineare oder starre Erfahrung.

Robles wird oft von mehreren Instrumenten – manche wurden von langjährigen Kollaborationspartner:innen speziell für sie entwickelt – begleitet, die im Chor zu ihrer Cajón erklingen. Sie akzeptiert die Unvollkommenheit dieser Instrumente und macht sich ihre Störimpulse durch deep listening, achtsames Wahrnehmen und Improvisationsroutinen zunutze.

LAURA ROBLES  ist eine Improvisatorin, Komponistin, Multi-Instrumentalistin und Forscherin. Sie wurde in Swasiland geboren und wuchs in Lima, Peru, auf. Sie studierte traditionelle Musik der zentralen Küste Perus und kubanische Musik. Sie stand mit Legenden wie Susana Baca, Juan Medrano Cotito, Jorge Roeder, Ernesto Hermosa, El Teatro del Milenio, Andres Chimango Lares, Laureano Rigol, Roberto Borrell, Los Hermanos Ballumbrosio und anderen auf der Bühne.

Sie gilt als eine der versiertesten Cajón-Spielerinnen der Welt und hat ihre Karriere der Analyse von Folk-Rhythmen gewidmet, mit einem Fokus auf afro-peruanischer Folklore und der Verwendung der Cajón und ihrer traditionellen Rhythmen in verschiedenen Musikgenres. Robles lebt und arbeitet heute in Deutschland und experimentiert und erforscht weiterhin das, was sie als „Anti-Groove“ bezeichnet, und schafft so völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten im modernen Jazz und in der improvisierten Musik.

In den letzten Jahren hat sie mit unterschiedlichen Künstler:innen und Gruppen gearbeitet, darunter der amerikanischen Komponisten und Grammy-Preisträgerin Maria Schneider, Petros Klampanis, Bodek Janke, Lauer Large Orquestra, Pablo Held, Niels Klein, Ensemble Neue Musik Zürich, WDR Big Band, Wanja Slavin, Steffen Schorn und anderen.