An Instrument of Nature: Making a Broom Brush

 

Im Persischen ist ein Pinsel (ghalam-mu) ein Werkzeug, dessen Wurzeln bis in die Antike zurückreichen – zum Wort für Halm oder Schilf (kalamos): ein Instrument der Natur, bevor es zu einem Instrument der menschlichen Hand wurde. Eine Pflanze wurde zum Werkzeug, und das Werkzeug behielt den Namen der Pflanze – ein Muster, das sich in vielen Sprachen wiederholt. Selbst ein Besen trägt den Namen des Strauchs, aus dem er einst gefertigt wurde, und ein Pinsel wird mit dem Wort für Zweig benannt.

In diesem Workshop sind die Teilnehmer*innen eingeladen, an dieser Tradition des Sammelns in der Natur und des Handwerks teilzuhaben. Bevor ein Gemälde entsteht, entsteht ein Werkzeug, und bevor es ein Werkzeug gibt, gibt es eine Erkundung – einen Spaziergang durch einen Garten, einen Park, einen Abschnitt einer unbefestigten Straße, auf dem etwas heruntergefallen ist oder versamt hat. Die Teilnehmenden sammeln, was die Nachbarschaft an diesem Tag zu bieten hat: getrocknete Blätter, heruntergefallene Zweige, in der Sonne spröde gewordenes Gras. Dann binden wir – so wie einst aus einem Schilfrohr ein Pinsel wurde – das Gesammelte mit einfachen Materialien wie Faden, Klebeband und Kleber zu Pinseln zusammen. Kein Pinsel gleicht dem anderen, denn kein Spaziergang führt über denselben Weg.

Diese Praxis ist eine stille Rückkehr in eine Zeit, bevor ein Werkzeug gekauft wurde: in die Zeit, als es noch von Hand gefertigt wurde, bevor die Arbeit begann. Ein Pinsel, der aus dem hergestellt wurde, was die Natur hergab, wirft nicht die Frage auf: Was kann ich mit diesem Werkzeug schaffen?, sondern: Was hat diese Jahreszeit, diese Umgebung, dieser bestimmte Flecken Natur zu bieten, und was können wir daraus gestalten? Die Antwort auf diese Frage ist jedes Mal eine andere.

Der Workshop endet damit, dass wir gemeinsam und ohne Eile malen – mit Werkzeugen, die es morgen vielleicht schon nicht mehr gibt, die aber ihren Zweck erfüllt haben.

SAMAN POURISA  ist eine multidisziplinäre Künstlerin und kreative Pädagogin mit einem Master of Fine Arts in Kunst im öffentlichen Raum der Bauhaus-Universität Weimar. Ihre partizipative Praxis schafft Raum für nicht-hierarchische Lernformen und fördert sowohl kritisches Denken als auch Kreativität durch die Auseinandersetzung mit der schwer fassbaren Grenze zwischen Natur und Kultur, zwischen Lernen und Verlernen.