UNTRAINING THE EAR:
Art's Birthday edition

Am Freitag, dem 17. Januar, feiert die Welt den Art's Birthday. Die globale Party startet mit einem Netzwerk-Konzert aus Berlin, Wien, Kairo und Istanbul. Im zweiten Teil des Abends tritt die japanische Klangkünstlerin Tomoko Sauvage auf.

Die Kunst hat Geburtstag und das verdankt sie dem Fluxuskünstler Robert Filliou. Er gratulierte im Jahr 1963 zum 1.000.000. „Art’s Birthday“. Seither feiern am 17. Januar Menschen und Institution weltweit mit Performances, Konzerten und Ausstellungen. An der globalen Party beteiligen sich SAVVY Contemporary, Deutschlandfunk Kultur und der ORF mit einem Netzwerk-Konzert aus Berlin, Wien, Kairo und Istanbul. Vier Performerinnen beschäftigen sich an diesen Orten mit dem Sound von Protestbewegungen. Das Wort „Heya“ bedeutet im Arabischen „sie“, im Englischen ist es ein freundlicher Gruß. Im zweiten Teil des Abends tritt die japanische Klangkünstlerin Tomoko Sauvage auf. Ihr Instrument ist ein akustischer Synthesizer aus Klangschalen. Mithilfe von Keramik, Wasser und Unterwassermikrofonen erschafft sie unerhörte Klangwelten.

Jilliene Sellner ist eine kanadische Klangkünstlerin und Wissenschaftlerin. Derzeit lebt sie in Großbritannien. Sie arbeitet mit Field Recordings, Sound und Podcasts, komponiert Soundtracks für künstlerische Videoarbeiten und gibt Podcast-Unterricht in gemeinnützigen Organisationen. Sie studierte an der Simon Fraser University in Kanada und an der University for the Creative Arts in England. „Heya“ ist Teil ihrer Doktorarbeit an der University of Sussex.

Nour Sokhon arbeitet an Klangperformances, Installationen und Bewegtbildern. Sie studierte Kunst an der American University in Dubai und der Glasgow School of Art. 2019 erhielt sie den Emerging Artist Prize des Sursock Museum. Sie ist Mitglied der Kollektive Tse Tse Fly Middle East und Glitch Artists und Teil des Duos NSTANT mit Stephanie Merchak.

Yara Mekawai lebt als Elektronikmusikerin und Klangkünstlerin in Kario. Ihre Arbeiten sind inspiriert von Architekturtheorie, Urbanismus, Geschichte und Literatur. Dabei verwendet sie Sound also ein Werkzeug des Sehens. Derzeit arbeitet sie an dem Online-Radioprojekt Radio Submarine, in dem sie wöchentlich die Musikkultur eines weiteren afrikanischen Landes vorstellt.

Zeynep Ayşe Hatipoğlu ist Cellistin und Doktorandin am Centre for Advanced Studies in Music der Istanbul Technical University. Sie komponiert nicht-traditionelle Musik. Als Mitglied verschiedener Experimentalensembles hat sie Auftritte in ganz Europa.

Tomoko Sauvage studierte zunächst Jazzklavier in New York, ehe sie 2003 nach Paris zog. Die Kompositionen von Alice Coltrane und Terry Riley weckten ihr Interesse an indischer Musik. Dabei entdeckte sie das Jalatharangam, ein traditionelles Instrument aus wassergefüllten Porzellanschalen. Fasziniert von der Einfachheit und Schönheit seiner Klänge, begann sie, das Instrument weiterzuentwickeln.

Mit den Listening Sessions schlagen SAVVY Contemporary, Deutschlandfunk Kultur und CTM Festival eine alternative Weise vor, Musik und Klang zu hören. Um zu kontextualisieren, wie wir die Welt von heute hören, müssen wir auch die Vergangenheit der reichlich vorhandenen klanglichen Bezüge neu abspielen. Wir (das Publikum, die Performer*innen, der Kunstraum, das Radio, die Moderator*innenen und die Techniker*innen) navigieren rhetorisch durch Archive von unkonventionellen Komponist*innen und versuchen, deren Beiträge neu zu indizieren, um andere mögliche Genealogien und Erzählungen zu schaffen. Durch die Performances von Klangpraktiker*innen aus verschiedenen Genres und die Besprechungen von Werken der Komponist*innen durch Wissenschaftler*innen hören wir auf den Einfluss und den Einfallsreichtum von Musiker*innen und Klangkünstler*innen, die sich der Linearität der Avantgarde-Musikgeschichte des 20.Jahrhunderts entzogen haben. Wir möchten die Werke von Pionieren wie Halim El-Dabh, Eliane Radigue, José Maceda, um nur einige zu nennen, beleuchten und neu entfalten. Darüberhinaus geben wir auch neue Werke in Auftrag, um (mit einem zeitgenössischen Blick) seltene Archivbestände, die von der Geschichte der Avantgarde-Musik und der Klangkunst marginalisiert wurden, widerzuspiegeln und zu reflektieren.